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Henriettenstiftung aktuell

14.11.2008
  Autor: Joachim Döring
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  Quelle: Presseinformationen  
     
Der "andere" Bußtag
Wie Schülerinnen und Schüler sich mit Ethik im Krankenhaus auseinandersetzen / „Tag der Ethik“ im DKH: 19.11.2008, 10.00 Uhr Schulveranstaltung, 13.30 Uhr Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen des vergangenen Jahres
 
Das schwierige und herausfordernde Leben von Menschen im Wachkoma und ihren Angehörigen steht im Mittelpunkt des „Tages der Ethik“ im Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung. Dazu kommen am Buß- und Bettag, dem 19. November 2008, Oberstufenjahrgänge aus drei Schulen, den Kooperativen Gesamtschulen Neustadt, Hemmingen und Ronnenberg/Empelde. Außerdem wird in einem Gottesdienst der Verstorbenen im Krankenhaus namentlich gedacht. „Fragen der Ethik nicht nur in der Medizin bekommen eine immer größere Bedeutung für unseren Lebensalltag“, betont Vorsteher Volker Milkowski, der das Vorbereitungsteam für diese Veranstaltung leitet. Im Mittelpunkt steht ein ZDF-Film der Autorin Brigitte Weismann „Schlimmer als der Tod“, im Zentrum aber stehen vor allem die Schicksale jener zum Teil sehr jungen Menschen, deren Lebensweg nachhaltig verändert wird. Mit dabei sind Schülerinnen und Schüler der Altenpflegeausbildung und der Gesundheits- und Krankenpflege in den Diakonischen Dienste Hannover, zu der auch das Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung gehört.

Unvergessen sind die Worte der Mutter jenes Claudio, der im Alter von 18 Jahren bei einem Routineeingriff einen so starken Schaden erlitt, dass er ins Wachkoma fiel. Nach Jahren der Rehabilitation kann er sich durch Blicke, Laute und Gesten bemerkbar machen. Dies aber tut er auf temperamentvolle und charmante Weise, denn er hört und versteht alles. Deshalb konnte er auch gemeinsam mit seiner Mutter jene Rede vorbereiten, die diese dann vor einem breiten Publikum hielt. Daran wurde deutlich, wie tiefgreifend dieser Eingriff in den Lebensweg ist: Der engagierte und begeisterte Basketballspieler und erfolgreiche Abiturient mit Bildungsdrang und Sportlerkarriere sitzt heute im Rollstuhl. Er ist auf die ständige Hilfe seiner Familie angewiesen, braucht die Förderung durch Therapeuten.

Unvergessen sind die Bilder jenes 38jährigen Unternehmensberaters, der einen Autounfall erlitt und seit dem im Rollstuhl sitzt und kaum sprechen kann. Aber er lernt wieder zu artikulieren, Buchstabe für Buchstabe, Silbe für Silbe, Wort für Wort. Jetzt fordert ihn seine Ergotherapeutin zu Bewegungen von Armen und Händen auf. Er sieht sie an, lächelt verschmitzt und zärtlich zugleich. Das Wechselspiel der Gefühle ist spürbar, und täglich neu. Denn es ist ein Leben auf der Grenze. Jeden Tag kann das Leben zuende gehen. Dass jemand aufwacht und wieder sein vorheriges Leben aufnimmt, ist äußerst selten und bei den meisten Patienten ausgeschlossen, weil die Hirnschädigungen zu umfangreich sind. Aber es ist die Hoffnung – auch der Therapeuten und Pflegekräfte.

Grenzsituationen sind heute in der Medizin immer häufiger. Darum befassen sich Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorger und Therapeuten immer wieder mit diesen ethischen Fragen. Wann ist eine schmerzhafte und riskante Operation bei einer 90jährigen Frau, die mit starken Schmerzen und im Koma mit einem Darmverschluss eingeliefert wird, noch angezeigt? Wann werden bei einem Menschen Organe zur Transplantation entnommen und wer begleitet die Angehörigen wie das Pflegepersonal während dieser Zeit? Was ist von aktiver oder passiver Sterbehilfe zu halten? Welche Möglichkeiten bietet heute eine moderne Schmerztherapie? Auch ganz aktuelle Fragen werden aufgenommen, wenn ein junges Mädchen darum bittet in ihrer Familie sterben zu dürfen, ohne ein transplantiertes Herz eines anderen Menschen zu bekommen.

Über 100 Schülerinnen und Schüler kommen, diskutieren in Kleingruppen mit erfahrenen Ärzten, Seelsorgerinnen und Seelsorgern und Pflegekräften sowie Ethikberatern. Als Kooperationspartner stehen zwei erfahrene Mitarbeiterinnen der Landesvereinigung für Gesundheit und der Akademie für Sozialmedizin zur Verfügung. Denn an vielen Stellen brechen ethische Fragen auf, in Zukunft immer mehr. Der Umgang mit Tod, mit Grenzsituationen des Lebens ist nicht auf das Alter beschränkt. Ebenso tauchen mitten im Leben Fragen auf nach dem Ursprung des Lebens, nach Bewahrung von Stammzellen und Forschung mit Stammzellen, nach den Möglichkeiten vorgeburtlicher Diagnostik in der Perinatalmedizin. Sich diesen Fragen stellen zu können, prägt den Charakter eines Menschen. Er gewinnt eine Achtung vor dem Leben und eine Achtsamkeit gegenüber dem Leben des Anderen.

Weitere Informationen: Pastor Volker Milkowski, Vorsteher der Henriettenstiftung und Theologischer Geschäftsführer des Diakoniekrankenhauses Henriettenstiftung, Telefon (0511) 289-2211, Heike Lubatsch, Ethikberaterin, Telefon (0511) 289-2139, Joachim Döring, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (0511) 289-2307 (mobil: 0171-2035974)
 
   
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