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12.05.2009 |
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Autor: |
Janina Dörmann |
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Quelle: |
Der Schlüssel |
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Schneeketten an den Zähnen |
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Die kieferorthopädische Praxis der Henriettenstiftung behandelt Fehlstellungen der Zähne – auch bei Erwachsenen |
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Petra Kurth ist 49 Jahre alt und trägt eine Zahnspange. Die Schulsekretärin hatte schon seit vielen Jahren Beschwerden mit ihrem Kiefer. Die rechte Seite schmerzte, wurde taub und knackte beim Kauen. Ihr Zahnarzt sagte, für eine kieferorthopädische Behandlung sei sie zu alt. Doch in der Henriettenstiftung konnte der Mutter von zwei erwachsenen Kindern geholfen werden.
Petra Kurth wurde zweimal am Kiefer operiert und dazu begleitend kieferorthopädisch behandelt. In der zweiten Operation wurde der Unterkiefer künstlich durchtrennt, also mit einer ganz feinen Säge aufgesägt, einige Millimeter nach vorne versetzt und wieder fixiert. Eine aufwendige Operation, die bei Petra Kurt jedoch ohne Komplikationen verlaufen ist. Heute sind ihre Zähne und ihr Kiefer deutlich gerader und die Schmerzen haben auch nachgelassen, freut sie sich: „In der rechten Seite habe ich zwar noch ein Taubheitsgefühl. Doch das ist eine Reaktion auf die Operation, da die Nerven noch etwas gereizt sind. Inzwischen kann ich bis auf Nüsse wieder alles essen.“
Heute stehen, anders als noch vor einigen Jahrzehnten, in der Kieferorthopädie eine Vielzahl an Behandlungsmitteln zur Verfügung, um auch und gerade bei Kindern Fehlstellungen und Fehlfunktionen zu beheben. Denn oft ist es sehr hilfreich, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen, erklärt Fachzahnarzt für Kieferorthopädie Dr. Ansgar Fischer: „Bei einem Kind kann man das Wachstum mit Hilfe einer Zahnspange günstig beeinflussen und in die therapeutisch gewünschte Richtung lenken. Es kommt zum Beispiel vor, dass das Wachstum des Unterkiefers beeinträchtigt ist, weil der Oberkiefer zu schmal ist. Das ist, als wollte man mit dem Fuß in einen zu kleinen Schuh schlüpfen – man kommt einfach nicht bis ganz nach vorne. Weitet man den Schuh, kann der Fuß komplett hineingleiten. Entsprechend kann man nach einer Oberkiefererweiterung den Unterkiefer in seinem Wachstum in die richtige Lage unterstützen – mit einer Zahnspange, die wie ein Trainingsgerät wirkt, und zwar ganz ohne Operation.“
Etwa 75% aller Patienten der Kieferorthopädie sind Kinder und Jugendliche. Ansgar Fischer ist sehr froh, dass er mit seiner Kollegin Prof. Dr. Helga Landmesser und den zahnmedizinischen Fachassistentinnen Elke Bergmann und Karin Kaminski gerade auch für diese Patientengruppe das gesamte kieferorthopädische Behandlungsspektrum anbieten kann. Immerhin ein Viertel sind jedoch Erwachsene – Tendenz steigend. Dazu Ansgar Fischer: „Traditionell wurden in der Kieferorthopädie nur Kinder behandelt. Die Nachfrage von älteren Patienten nimmt aber stetig zu. Das liegt zum einen daran, dass heutzutage mehr Wert auf eine gesunde Zahnstellung gelegt wird. Zum anderen wurde in letzter Zeit sehr viel auf diesem Gebiet geforscht und viele Erfahrungen gesammelt. Mittlerweile spricht sich das immer mehr herum, und viele Erwachsene fragen inzwischen auch gezielt nach einer kieferorthopädischen Behandlung.“
Dennoch fühlt sich Petra Kurth mit ihren „Schneeketten“ oft noch als Exot. In der Hauptschule, in der sie als Sekretärin arbeitet, wird sie häufig von Schülern verwundert auf ihre Zahnspange angesprochen. „Die gucken dann und freuen sich, dass sie nicht die einzigen sind, die eine Spange tragen. Neulich hat mich auch eine Lehrerin an meiner Schule angesprochen, die ebenfalls überlegt, sich kieferorthopädisch behandeln zu lassen.“
Die Kosten der kieferorthopädischen Behandlung übernimmt die Krankenkasse bei Erwachsenen jedoch nur, wenn auch operiert werden muss. Ist nur eine kieferorthopädische Behandlung notwendig, muss der Patient die Kosten selbst tragen. Auch bei Kindern und Jugendlichen übernimmt die Krankenkasse nicht mehr in allen Fällen die Behandlungskosten, bedauert Ansgar Fischer: „Wir haben hier Kinder, die unbedingt eine Behandlung brauchen, die Kasse die Kosten jedoch nicht übernimmt. Dann müssen die Eltern die Spange selbst bezahlen, und das sind je nach Behandlung zwischen 1000 und 6000 Euro.“
Der Vorteil der kieferorthopädischen Praxis der Henriettenstiftung: Hier sind Kieferorthopädie und Chirurgie unter einem Dach vereint. „Das erleichtert die Arbeit ungemein“, erläutert Ansgar Fischer: „Es gibt eine Reihe von Patienten, die eine Kombination von Orthopädie und Chirurgie brauchen, zum Beispiel Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder Jugendliche, bei denen Zähne falsch im Kieferknochen wachsen und nicht von alleine in der Mundhöhle erscheinen. Dabei ist es sehr wichtig, dass wir uns schon im Vorfeld mit den Chirurgen darüber austauschen, was möglich ist und was nicht. Die Wege sind einfach kürzer und man kann sich viel enger abstimmen.“
In der Regel gibt es Kieferorthopädie und Chirurgie nur an Unikliniken unter einem Dach. Dass die Henriettenstiftung als nicht universitäres Krankenhaus beide Bereiche im Haus hat, ist laut Ansgar Fischer in Deutschland einmalig.
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